Auf der Veranda (oder auch: Ich schreibe, weil ich nicht malen kann.)
Ihre Nackenhärchen richteten sich auf, noch bevor seine Lippen ihre Haut berührt hatten. Allein das Wegstreichen ihrer langen Haare und die Erwartung auf seine Liebkosung ließen sie innerlich erzittern. Sie schloss die Augen um jede seiner Berührungen noch bewusster zu erleben. Als sie seinen warmen Atem auf ihrer Haut spürte, durchströmte ein Gefühl der puren Zufriedenheit ihren gesamten Körper. Die Morgensonne hinterließ einen warmen Hauch auf ihren noch erröteten Wangen, während seine Lippen sich endlich auf ihrem Hals niederließen. Er hatte seine Arme um ihre Taille geschlungen und sie so nah an sich gezogen, dass jegliche Bewegung unmöglich war.
Die Luft um sie herum war kühl. Eine Wolldecke umhüllte ihre beiden Körper, die zu einem ganzen verschmolzen zu sein schienen. Sie lehnte ihren Kopf an seine Brust, dort wo sein Herz lag und horchte dem gleichmäßigen Rhythmus seines Herzschlages. Während die Sonne langsam hinter den großen Tannen aufging, balancierte eine Katze auf dem Gelände der kleinen Veranda. Die blaue Farbe unter ihren Pfoten blätterte langsam ab. So wie der Rest des kleinen Hauses, benötigte es eine Renovierung. Die Katze kam näher und sprang leichtfüßig auf die Bank neben sie. Sie streckte ihre Hand nach dem Tier aus, das sogleich seinen Kopf darin rieb. Ein freudiges Glucksen trat aus ihrer Kehle, das sich mit dem Schnurren der grauen Katze mischte.
Er seufzte und verstärkte seine Umarmung. Sie kuschelte sich enger an ihn, versuchte jeden Zentimeter zwischen ihrem und seinem Körper zu überwinden. Zärtlich fuhr sie über seinen linken Unterarm, strich die schwarzen Härchen glatt und richtete sie wieder auf. Seine Haut war angenehm warm, fast symbolisch für die Wärme, die er in ihr Leben gebracht hatte. Mit ihm hatte sich plötzlich alles geändert. Ihr dunkles, trübes Dasein hatte sich wieder in ein von Glück und Helligkeit bestimmtes Leben gewandelt.
Er hatte mit seinem Mund eine Linie von ihrem Hals bis zu ihrem Ohr gezogen. Nun murmelte er ihr die drei bedeutsamsten Worte zu, die ein Mensch einem anderen schenken konnte. Sie ließ ihre Hand zu seiner gleiten, bis sie das kühle Metall spüren konnte, das seinen Ringfinger umgab. Dies war erst der erste Tag von vielen wundervollen, die folgen würden. Allein für diesen Moment, diese Sekunde, in der sie keine Worte für das Glück kannte, dass sie empfand, hatte sich der weite Weg gelohnt, den sie hatte gehen müssen, um bei ihm sein zu können. Den sie beide hatten gehen müssen.
Sie drehte ihren Kopf in seine Richtung und fand seine meerblauen Augen. Keine Kameralinse dieser Welt hatte es bisher geschafft, die wahre Farbe seiner atemberaubenden Augen einzufangen. Die Sonne spiegelte sich in ihnen wieder, als wäre sie nur aufgegangen um in diese Augen blicken zu können, um ihnen diese Farbe zu schenken. Sein Mund war zu einem leichten Lächeln geformt, während er seinen Blick über ihr Gesicht gleiten ließ und an ihren Lippen hängen blieb. Er strich ihr mit dem rechten Zeigefinger eine verirrte Strähne aus dem Gesicht und beugte sich ein kleines Stück vor um ihr einen Kuss auf die geschwollenen Lippen zu gehen.
Sie legte ihre Hand in seinen Nacken und zog sein Gesicht zu sich runter. Sie hatte endlich ihren Platz gefunden. Ihr Zuhause. Sie war endlich angekommen. „Ich liebe dich auch“, flüsterte sie ihm zu. Er drückte sie mit aller Kraft und dennoch sanft an sich, als wolle er der Welt zeigen, dass sie ihm gehörte. Endlich gehörte sie jemandem. Endlich war sie Teil von etwas Ganzem. Sie könnte heute sterben und es würde nichts ausmachen. Mehr konnte sie von ihrem Leben nicht erwarten. Mehr als diesen Moment puren Glückes. Heute könnte sie sterben.