Eigentlich wollte ich nie einen schönen Mann. Den hast du nämlich nie für dich alleine. Außerdem legt der viel zu viel wert darauf, dass er immer gut neben der aussieht, besser als du. Und Schönheit ist wirklich nicht alles. Ich denke nämlich, dass Schönheit nur ein Ausgleich für Charakterschwächen ist. Denn ein Mensch mit einem tollen Charakter muss nicht gut aussehen um aufzufallen und andere in seinen Bann zu ziehen. Aber trotzdem bin ich mir bewusst, dass wir alle gern nach schönen Menschen schauen. Ich schließe mich da nicht aus. Aber gucken und haben wollen ist eben doch ein Unterschied. Dabei muss ich noch sagen, dass ich selbst nicht unbedingt hübsch bin. Für die Männer, denen man im Club nachsieht, bin ich also sowieso kein Thema. Deshalb hab ich es bei solchen Typen auch nie versucht. Obwohl sie neben mir natürlich leichter gut aussehen können als neben einer Püppi-Blondine. Meine Freundin Lisa, Lizz genannt, ist da anders. Sie ist selbst eines von diesen typisch hübschen Mädchen. Keine Püppi-Blondine, aber eine Püppi-Brünette. Egal wo man mit ihr auftaucht, in ner wenigen Minuten hat sie eine kleine Ansammlung von meistens gut aussehenden Männern um sich. Sie weiß genau, wie sie reden, ihre Beine überschlagen, ihre Hüften kreisen und ihre Augen aufschlagen muss um den Männern den Verstand zu rauben. Und obwohl sie schon mit den best aussehensten Männer der Stadt zusammen war, hat sie es nie länger als drei Monate mit einem ausgehalten. Sie wurden ihr immer langweilig. Wieder ein Beweis, dass Schönheit nichts mit Liebe und Glück zu tun hat. Aber ich liebe Lizz. Und obwohl sie soviel Schönheit bekommen hat, hat sie nur wenige Charakterschwächen mitbekommen, die mir alle liebenswert oder egal geworden sind. Wir kennen uns seit dem Kindergarten, sind aber erst seit der Oberstufe wirklich Freundinnen geworden. Ich höre mir gerne ihre Männergeschichten an und sehe ihr dabei zu wie sie immer wieder sagt, sie will den Männern den Rücken zu kehren und in der nächsten Woche doch wieder mit zweien an der Theke sitzt. Durch sie kenne ich also auch viele gut aussehende, tolle Männer, die mich aber natürlich nur als Lizz’ beste Freundin sehen. Lizz hat schon mehr als einmal versucht mich mit einem von ihnen zu verkuppeln, was sie irgendwann auf mein Bitten zum Glück aufgegeben hat. So hatten wir unsere Rollen immer klar verteilt; sie war Diejenige, die mit den Jungs eine kurze aber intensive Affäre hatte und ich war Die, die danach die „Abwicklung“ mit den Jungs machte und sie als gute Freunde behielt. Doch dann kam Julian und stellte sowohl meine als auch Lizz’ gesamte Weltanschauung auf den Kopf. Ach ja, ich bin übrigens Madlene.
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