Seit meinem 19. Geburtstag habe ich mich geweigert älter zu werden. Die Geburtstagstorte für meinen 21. hatte 19 Kerzen. Ich wollte für immer jung bleiben. Wer will schließlich älter werden? Geschweige denn Erwachsen sein? Das bedeutet 40 Stunden Wochen, das bedeutet Steuererklärungen, Hauszahlungen und Altervorsorge.

 

Letzens saß ich mit meiner Freundin im Restaurant und habe ein Survey ausgefüllt. Ich wurde nach meinem Alter gefragt dass in verschiedene Kategorien eingeteilt war.

18 - 24

25 - 34

usw.

 

In nur 4 Tagen rutsche ich dann also tatsächlich in die nächste Alterskategorie. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich darüber nicht besonders glücklich war. Wo ist die Zeit geblieben? Ist es wirklich schon über 5 Jahre her, dass ich mein Abi gemacht habe? Bin ich wirklich schon ein viertel Jahrhundert alt? Ist etwa 1/3 meines Lebens tatsächlich schon um?

 

Ich habe in den letzten Wochen tatsächlich eine kleine Krise gehabt. Die Tatsache, dass ich nichts dagegen tun kann älter zu werden, dass ich de Zeit weder anhalten noch zurück drehen kann und dass je älter ich werde, die Zeit schneller und schneller zu vergehen scheint, hat mich zum Nachdenken gebracht.

Und ganz natürlich stellen sich Fragen wie: "Was habe ich mit meinem Leben bisher so gemacht? Wo sollte ich mit 25 in meinem Leben stehen? Ist mein Leben, so wie ich es will? Lebe ich es in vollen Zügen? Habe ich die letzten Jahre on vollen Zügen gelebt oder habe ich meine Jahre verschwendet?"

 

Und ich habe an mein 21 jähriges Ich zurück geblickt und mich gefragt was sie wohl heute von mir halten würden.

Wenn man mich vor 6 Jahren gefragt hätte wo ich mit 25 in meinem Leben stehen würde wäre meine Antwort wohl etwa diese gewesen:

 

Ich werde in einer Großstadt leben, Berlin, Hamburg oder vielleicht sogar London. Ich werde eine erfolgreiche Jorunalistin sein, ich werde jedes Wochenende um die Häuser ziehen und teuren Champagner mit meinen Freundinnen trinken. Ich werde um die Welt reisen und Dinge finden, die vor mir keiner gefunden hat. Ich werde unabhängig und frei sein. Vielleicht hab ich einen Freund aber wahrscheinlich nichts Ernstes. Ich hab keine Zeit für sowas.

 

Und damals schien das auch nicht all zu weit her geholt zu sein.

 

Oh wie die Realität uns doch manchmal ins Gesicht schlägt.

Glücklich verheiratet lebe ich nun das amerikanische Vorstadtleben. Sorge mich darum, dass mein Haus ein neues Dach braucht, spare fürs nächste Haus und habe seit wahrscheinlich einem Jahr keinen Club mehr von Innen gesehen. Ich plane eine Familie, sorge mich um Altersvorsorge und  Krankenversicherungen. Ein gutes Wochenende ist eines, dass ich mit meinem Mann verbringe. Ich bin manchmal zu müde um nach der Arbeit aus dem Haus zu gehen.

 

Ich glaube ich gehöre schon lange in die nächste Karegorie. Ohne es zu merken, bin ich Erwachsen geworden. Habe Verantwortung angenommen. Habe gelernt, dass ich nicht für immer 19 sein kann.

 

Und ehrlich gesagt, es ist gar nicht mal so übel. Das Leben hat andere Freuden. Es dreht sich auf einmal nicht mehr nur darum der Mittelpunkt jeder Party zu sein. Frei und unabhängig zu sein brachte den Beigeschmack des Einsam-seins mit sich. Reich werden stellt sich als deutlich schwieriger raus als gedacht. Und Steuererklärungen könnten eine Reise nach Hause finanzieren.

 

Yes, ich werden am Freitag 25 und obwohl ich immer noch nicht weiß, was ich mit meinem Leben machen soll, hab ich es zu einem Punkt geschafft, an dem ich keine Angst habe vor dem was kommt, vor dem was mich ändern wird, sondern warte gespannt, was jedes weitere Lebensjahr mir zu bieten hat.

 

 

 

 

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