Naja, oder sagen wir, wenn ich an meinem ersten Tag schwanger geworden wäre, dann wäre es jetzt da. Worauf ich damit hinaus will: 9 Monate Amerika. Woohoo! Manchmal fühlt es sich an als wäre ich erst seit ein paar Wochen hier, manchmal scheint es eine Ewigkeit her zu sein, dass ich deutschen Boden unter den Füßen hatte. Ich habe bis heute nicht bereit, diesen Schritt getan zu haben. Ich bin bis heute der Meinung, dass es das richtige war meinem Herzen zu folgen. Ich habe damals jedoch auch nicht wirklich darüber nachgedacht, was die Konsequenzen für meine Taten sein würden. Nach 9 Monaten hier hat sich viel verändert. Mein Amerikanisch ist kaum noch von dem der Washingtonianer zu unterscheiden, ich habe Probleme das "y" auf der deutschen Tastatur zu finden, mein Gehirn funktioniert auf Englisch. Meinem Mann nach sehe ich nicht einmal mehr europäisch aus. Ich fahre meinen Neffen einem die Woche zum Footballtraining, im Radio läuft zu 99 % Countrymusik und das letzte Mal, dass ich schneller als 120 km/h gefahren bin ist so lange her, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann, wie es sich anfühlt. Turkez Ich musste hier nochmal bei 0 anfangen. Mein Lebenslauf interessiert hier niemanden wirklich, da ich keine "amerikanische" Jobhistorie habe. Mit meinen Freunden hier verbindet mich keine jahrelange Schulfreundschaft, die beste Freundin wohnt nicht mal eben um die Ecke. Ich habe meine schwachen Momente hier. In denen ich mich alleine und unverstanden fühle, weil ich eben anders bin als alle anderen hier. Obwohl mein Englisch gut ist, stoße ich manchmal an meine Sprachgrenzen. Hier bin ich der "böse" Ausländer, der den Einheimischen den Job wegnimmt. Meine Schonzeit ist leider auch um. Es ist immer noch ein großes Abenteuer. Jeder Tag bringt etwas Neues. Ich bin über mich hinausgewachsen und trotzdem fühle ich mich manchmal wie ein kleines Mädchen im großen Amerika. Mein erstes Halloween steht bevor und mein erster Geburtstag hier. Ich kann nicht behaupten, dass ich Heimweh habe, denn ich habe mir hier ein Zuhause gemacht. Dennoch gibt es Tage, Stunden in denen ich mich in meine Heimat sehne, zu Menschen, die mich länger und besser kennen als ich mich selbst und mich mehr verstehen als mein Mann es sein Leben lang nie tun wird. Würde ich es wieder machen? Würde ich wieder gehen, alles hinter mir lassen, bei 0 anfangen um einem, Traum nachzujagen? JA! Jederzeit. Es gibt einzelne Momente, die alleine all dies wert gewesen sind. Nichts, keine Karriere, keine Bequemlichkeit, keine Vernunft ist wichtiger als geliebt zu werden von den Menschen, den man liebt. Nennt mich kitschig, nennt mich blauäugig. Aber ich bin einmal um die halbe Welt gezogen um einen Mann zu heiraten, mit dem ich 5 Monate zusammen verbracht hatte. Es ist das größte Abenteuer, das ich je erlebt habe. Es ist die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Das ist meine Geschichte. Sie hat gerade erst angefangen, aber sie ist definit wert erzählt zu werden.
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