was würde Deutschland-Jana tun?
Ich sehe mehr und mehr Veränderungen an mir selbst und immer wieder stellt sich mir die Frage ob diese Veränderungen alle Teil davon sind, in Amerika zu leben oder ob sie auch anderswo statt gefunden hätten.
Ich frage mich manchmal was würde Deutschland-Jana gerade so tun? Wäre ich immer noch Studentin und würde das Studentenleben genießen, Wochenenden in Clubs and Bars verbringen, in einer WG leben und mich nachts in lila Bettwäsche kuscheln? Mit wem würde ich meine Nächte, Träume, Tage und Gedanken teilen? Wäre ich geblieben wo ich geblieben wäre? Würde ich Rock, Hip Hop oder Techno hören? Wie würde ich mich kleiden? Wem würde ich meine Geheimnisse erzählen?
Mein Leben hier ist anders als es wahrscheinlich wäre, wenn ich geblieben wäre. Ich würde mir wahrscheinlich noch keine Gedanken um Grundstückssteuern machen, Babies planen, in private Altersvorsorge einbezahlen, Country-Musik hören oder Pickup Trucks fahren. Ich würde meine Nächte wahrscheinlich einsam verbringen.
Wären meine Träume trotzdem die Gleichen? Wäre ich anderen Träumen gefolgt anstelle diesem? Wem hätte ich mein Herz geschenkt, oder hätte ich es für mich behalten?
Ich habe aufgehört zu trinken, ich arbeite in dem Job, in den ich mir selbst geschworen hatte nie mehr zu arbeiten. Ich trage einen Ring an meinem Finger, der mich täglich daran erinnert, dass die Welt sich nicht um mich dreht, dass MEINE Welt nicht mehr nur noch aus mir besteht.
Ich habe neue Freunde, und bin doch nur vergeblich auf der Suche das zu erreichen, was mich mit den alten verbindet.
Ich habe vieles aufgegeben, ich habe vieles dazu gewonnen. Ich habe Opfer bringen müssen um die Freiheit zu erkämpfen, die ich jetzt habe. Ich bin erfolgreich hier, ich habe einen gut bezahlten Job, Menschen, die mich lieben, eine Familie, zu der ich dazu gehöre, Freunde, die mich zu schätzen wissen. Ich kann stolz auf mein Leben sein, auf meine Ehe, auf das, was ich hier erreicht und verändert habe.
Und doch habe ich einen Teil von mir in all dem verloren. Ich bin ein bisschen weniger Rebell, ein bisschen weniger Künstlerin, ein bisschen weniger jung, ein bisschen weniger Träumer. Ich bin erwachsen geworden, ein bisschen mehr verantwortungsvoll, ein bisschen mehr Realist, ein bisschen amerikanisch.
Hören wir auf Träumer zu sein, wenn wir unseren Traum leben? Oder sollte uns das nicht zeigen, dass wir alles haben können, wenn wir es nur stark genug wollen?
Manchmal frage ich mich, was Deutschland-Jana gerade tun würde. Ich sehe sie da sitzen, auf einem Bleistift kauend, einen Blog schreiben und sich wundern, wie das Leben in Amerika wäre. Nun ja, Deutschland-Jana. Es ist wundervoll, aber es ist real. Es hat dich verändert. Es hat dich gereift. Es hat dich stark gemacht.
Du hättest es bereut zu bleiben. Du wirst hier glücklich werden.