feststecken
Oh facebook, manchmal bist du meine größte Inspiration. Wenn ich mich so durch die timelines meiner Freunde klicke, dann sehe ich so viele verschiedene Leben, so viele verschiedene Wege, Ziele und Erfolge. Auf der einen Seite sind die, die Kinder bekommen haben und Fotos von ersten Lächeln, ersten Zähnen und Videos von ersten Schritten posten. Und dann denke ich mir manchmal "Oh Mann, die müssen die glücklichsten Menschen auf der Welt sein. Die haben etwas wundervolles in die Welt gebracht, etwas das sie mehr lieben als alles andere, etwas das Ihnen mehr Freude bereitet als sie jemals für möglich gehalten hätten. Die haben etwas, für dass es sich lohnt jeden Morgen zur Arbeit zu gehen, einen Grund, einen Sinn. Die haben etwas, auf das sie stolz sein können. Etwas Einzigartiges, das Ihnen niemand nehmen kann."
Und dann wünsche mir ein Baby. Jetzt, sofort, keine 9 Monate warten und Schwangerschaft und Geburt durchmachen. Ich möchte ein Baby, jetzt sofort in meinem Arm halten, es lieben und zurük geliebt werden.
Und dann sehe ich Fotos von denen, die jedes Wochenende feiern gehen, die jede Nacht mit ihren Freunden um die Häuser ziehen und neue Leute kennen lernen, neue Freundschaften schließen und neue Dinge ausprobieren. Die Fallschirmspringen, nach Marokko reisen, die sich neu verlieben, die das Gefecht der neuen Beziehung austragen und immer etwas Neues zu erzählen haben.
Und ich erinnere mich an die Zeit, in der ich genau das getan habe, in der ich immer mittendrin statt nur dabei war. An die Zeit, in der frei und ungebunden war, niemanden jemals eine Erklärung schuldig und alles nur vor mir selbst rechtfertigen musste. In der ich jeden Tag jemand anderes sein konnte, wenn ich wollte. An die Zeit, in der ich gereist bin, neue Freunde und Kulturen kennen gelernt habe. An die Zeit, in der ich mir eine Pause vom normalen Leben genommen habe. Ich erinnere mich daran dumme Dinge zu tun, die mich glücklich gemacht haben und ich wünsche mir mich wieder so frei zu fühlen.
Dann sind da die, die ihr Ziel vor Augen haben und ihren Weg gehen. Die genau wissen wohin sie wollen und sich nie vom Weg abbringen lassen haben. Die ihr Studium ernst nehmen, auf dem Weg sind etwas Großartiges aus ihrem Leben zu machen. Die Asien bereist haben, die die besten Schulen der Welt besucht haben und auf dem Weg nach ganz oben sind. The sky is the limit.
Und dann wünsche ich mir, dass ich einen Plan hätte. Dass ich wüsste wo ich hin will und wie ich dort ankomme. Dass ich ein Zeil vor Augen habe, auf das ich mich konzentrieren kann. Dass ich Erfolge vorzuweisen habe, dass ich zurückblicken und einen steinigen Weg sehen kann, den ich gemeistert habe und auf den ich s
tolz sein kann. Ich wünsche mir, ich hätte es erreicht. Mehr aus meinem Leben gemacht.
Und dann fühle ich mich als wenn ich in meinem eigenen Leben feststecke. Dass ich weder das eine noch das andere bin, dass ich zwischen zwei Stühlen sitze, die beide unbequem sind. Ich habe keine Kinder, denen ich mich Leben widmen kann, ich habe in fast 2 Jahren das Seattle Nachtleben nicht mal andeutungsweise kennen gelernt und ich arbeite in einem Job, der manchmal Mordfantasien in mir entfacht. Ich bin nicht die große Journalistin, die ich sein wollte und nicht einmal mehr auf dem Weg dahin.
Ich stecke fest.
Im Irgendwo. Vielleicht im Nirgendwo.
Und dann habe ich einen Moment in dem ich Folgendes begreife:
Ich habe Zeit. Weil ich keine Kinder habe, kann ich mit meinem Mann spontan sein, kann Zeit mit ihm genießen und muss mich nicht darum sorgen, ob ich ein gutes Vorbild für jemand anderes bin. Ich habe alle Türen der Welt offen, ich habe einen guten Job in einem fremden Land bekommen, ich habe ein Haus, ich habe mein Leben im Griff. Ich habe es hier hin geschafft. Ich habe das Unmögliche gewagt und bin belohnt worden. Ich habe neue Freunde gefunden, neue Dinge kennen gelernt, alte Meinungen über Bord geworden und meinen Horizont erweitert. Ich habe eine 2. Sprache soweit gelernt, dass die Einheimischen meinen Akzent nicht einmal mehr hören. Und ich habe wahre Liebe gefunden.
Vielleicht stecke ich fest. Vielleicht finde ich meinen Weg. Vielleicht bleibe ich im Moment aber auch einfach nur an einem Ort, an dem ich mich wohl fühle. Vielleicht muss ich nicht immer gerade irgendwohin unterwegs sein. Vielleicht kann ich für eine Weile auch einfach einmal angekommen sein und mich dort, wo ich bin einfach mal genauer umschauen.