19.12.2009
Das war in meinem Kalender schon lange rot gekennzeichnet.
siegener poetry slam.
Was ist das? Die Myspace-Seite der Veranstalter klärt wie folgt auf:
http://www.myspace.com/siegenerpoetryslam


ein poetry slam ist ein literarischer vortragswettbewerb, bei dem jeder (auch ohne vorherige anmeldung) mitmachen kann. im gegensatz zu traditionellen lesungen stehen die vortragenden untereinander im wettbewerb. es geht darum, eigene texte innerhalb eines zeitlimits (max. vortragsdauer: 5 min.) dem publikum und einer aus dem publikum rekrutierten, 5- köpfigen jury zu präsentieren. vortragen kann jeder und vorgetragen werden kann alles“ ist das motto des siegener poetry slam. prosa, lyrik, sprechgesang. und das wild gestikulierend, flüsternd, schreiend, leicht erzählend, jaulend oder keuchend und wenn möglich auswendig, um den texten das leben einzuhauchen. die teilnehmer sollen ihre texte nicht nur lesen sondern performen. dabei gibt es keinerlei beschränkungen oder inhaltliche vorgaben. außer der eigenen stimme und dem eigene körper dürfen nur dinge verwendet werden, die auf der bühne vorhanden sind und somit allen slammern zur verfügung stehen. das phänomen poetry slam mischt nun schon seit gut 10 jahren herkömmliche literatur-vorstellungen auf. bei entspannter club atmosphäre bringt die wachsende gemeinde der poetry slam autoren ihre kurzgeschichten, rap-poesie, lyrik, essays im schnellen wechsel mit moderation und dj- begleitung auf die bühne.


Das ließ ja viel erhoffen.
Also Zahnbürste und Vorfreude eingepackt und über die A4 ab nach Siegen.

Der Slam fand den Räumlichkeiten des (mir bis dahin auch völlig unbekannten) dee2 statt. Olaf Neopan Schwanke, ein lokal bekannter siegener Künstler und Co-Gast-Moderator Sascha Matesic alias Sushi da Slamfish, eigens langjähriger erfolgreicher Slammer, begrüßten das dee2 mit einem Freestyle-Text von Sushi, der von der fünfköpfigen Jury, die frei aus dem Publikum zusammengestellt wurde, äußerst gut bewertet wurde. Aber war ja alles nur zum aufwärmen.
Auf die Plätze - fertig - Slam.

Die berliner Slammerin Iris Schwarz, die die erste Runde eröffnen durfte ließ ihren Frust am deutschen Bildungssystem raus. Mit den Worten: "Der Text drückt mein Empfinden zum Bildungssystem aus. Wenn er also scheiße ist, liegt es daran, dass das Bildungssystem auch scheiße is", ließ sie keine Fragen mehr offen.

Nachdem die insgesamt 16 SlammerInnen in 2 Runden ihre Talente bewiesen hatten, standen 5 Kandidaten fürs Finale fest.
Die rein männliche Finalrunde setzte mit weiteren Texten noch auf die Vorrunde drauf. Gegen Mitternacht stand endlich der Sieger und Publikumsliebling fest. Mit seinen fachmännischen psychologischen Kenntnissen über die Ernies und Berts dieser Welt beendet Sven Fritze aus Bielefeld den gelungenen Abend.

Mein Resümee des Abends:

Freudig war ich zu sehen, dass es doch soviel junge als auch gestanden Männer und Frauen gibt, die ihre Liebe zur deutschen Sprache noch so zum Ausdruck bringen. Schön ist es außerdem zu sehen, dass es Mitmenschen gibt, die sich Gedanken machen, über Politik, über Freundschaft, über Moral, junge Erwachsene, die sich kritisch mit dem Internet auseinander setzen.
Ein schönes Gegenbeispiel für eine PISA-Studie.

Die Slammer-Gemeinschaft sei außerdem eine große Familie, betonte Sushi. Dies war für alle unschwer zu erkennen. Wettwerb schien nur an zweiter Stelle zu stehen, der Spaß stand im Vordergrund und der Wunsch sich auszudrücken.
Die Slammer-Fangemeinschaft hat gestern auf jeden Fall mindestens ein neues Mitglied dazu gewonnen.

Mein Favorit des Abends war übrigens Florian Cieslik aus Köln.

Der  21.siegener poetry slam findet am 21.02.2010 um 16uhr im Medien- und Kulturhaus Lyz statt.
Bis dahin.
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