Was macht uns glücklich?
Der französische Schriftsteller und Philosoph Charles-Louis de Montesquieu hatte es schon vor 400 Jahren ganz gut erkannt: "Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind."
Sieht das Gras auf der anderen Seite des Zauns nicht wirklich immer etwas grüner aus als das eigene? Oder arbeitet der Nachbar nur mehr an seinem Garten, so dass es nicht verwunderlich ist, dass sein Grün saftiger strahlt als der Acker hinter dem eigenen Haus? Sieht das Glück der anderen nur immer strahlender aus oder ist unser Leben tatsächlich eine einzige Baustelle?
Goethe, der alte Romantiker war sich sicher: "Glücklich allein ist die Seele, die liebt."
Wollte er uns damit sagen, dass die Seele, also der Mensch, der liebt, automatisch auch glücklich ist? Oder dass jemand, der sonst alles haben mag, aber keine Liebe empfindet, nie wahres Glück erfahren wird?
Sollte es so einfach ist? Dass allein das "lieben" den Menschen glücklich macht? Entsteht das wahre Glück nicht daring geliebt zu werden? Oder viel mehr von denen zurückgeliebt zu werden, die wir lieben?
Was aber würden zwei Menschen dazu sagen, die sich lieben und doch nicht zusammen sein können, weil die Zeit falsch, die Umstände kompliziert, das Leben nicht gerecht ist?
Albert Schweitzer sagte: "Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind."
Ist es so, dass das Unglück uns viel klarer ist als das Glück? Bedeutet nicht unglücklich zu sein, glücklich zu sein? Bedeutet nicht glücklich zu sein gleich unglücklich sein zu müssen? Oder können wir weder glücklich noch unglücklich, in einem Zustand völliger Ausgewogenheit sein? Würden wir diesen Zustand überhaupt wahrnehmen?
Können wir wirklich Glück im Unglück haben? Ist ein Unfall, der passiert, Unglück oder ist die Tatsache, dass einem nichts schlimmes passiert ein so großes Glück, dass das Unglück des Unfalls ignoriert werden kann?
Ist das Glas halb voll oder halb leer?
Was kam zuerst: Das Huhn oder das Ei?
Ich glaube, dass die Wenigsten von uns wirklich wissen, ob sie glücklich sind oder nicht. Und ich glaube, dass noch viel weniger von uns wissen, was sie zum glücklich sein brauchen. Ein andere kluger Mensch (Berthold Auerbach) sagte "Wer nicht zufrieden ist mit dem, was er hat, der wäre auch nicht zufrieden mit dem, was er haben möchte."
Vielleicht müssen wir also wirklich erst einmal anfangen, mit dem glücklich zu sein was wir haben. Doch wenn wir mal ehrlich sind, ist das nicht besonders einfach. Das Leben bringt uns immer wieder gerne ins straucheln, so dass es uns manchmal schwer fällt, das Glück unter dem ganzen Schutt noch zu entdecken.
Was ist das eigene Glück uns außerdem wert? Dürfen wir um selbst glücklich zu sein, andere unglücklich machen? Oder anders: dürfen wir auf unser eigenes Glück verzichten um andere zu schonen? Dürfen wir uns etwas für uns selbst wünschen, selbst wenn wir uns für jemand anderen einen anderen Ausgang wünschen sollten?
Ich weiß momentan nicht, wieviel Glück ich vom Leben erwarten kann. Ich weiß nicht, ob ich es dort finde, wo ich danach suche. Ich weiß nicht, ob ich es eigentlich nicht schon gefunden habe und es nur übersehe. Ich weiß nicht, wie verrückt es ist, mehr zu verlangen als das was ich habe. Ich weiß nicht wie selbstsüchtig es sein mag.
Aber es gibt wohl Fragen, auf die es erst eine Antwort geben wird, wenn sie passiert sind. Vielleicht entsteht Glück auch erst während man danach sucht. Vielleicht ist es eine Reise im Dunklen, die wir nur nach unserem Bauchgefühl navigieren können. Vielleicht ist es aber auch ein Irrlauf, der uns immer mit dem Kopf gegen die Wand rennen lassen wird.