Ob man ein guter Mensch ist
Ich denke jeder Mensch sucht sich den Sinn seines Lebens ein bisschen selber aus. Für manche kann es sein die Liebe seines Lebens zu finden, für eine Mutter vielleicht ihre Kinder gut groß zu ziehen, für den Geschäftsmann vielleicht reich zu werden, für den Musiker anderen Menschen zu berühren.
Da ich weder an die große Liebe glaube, noch Mutter bin oder Talente im reich werden oder Musik machen habe, habe ich mir als Lebensziel ein ganz einfacheres gesetzt:
Ich möchte ein guter Mensch sein.
Aber was bedeutet es ein guter Mensch zu sein? Für die Omi in der Bahn aufzustehen? Dem Obdachlosen ein paar Münzen in den Pappbecher schmeißen? Sich den Liebeskummer der Freundin anhören? Die Oma auf dem Friedhof besuchen? Der Schwester was vom Einkaufen mitbringen? Den schüchternen Kollegen anlächeln?
Sicher, alles keine Dinge, die besonders viel von einem selbst abverlangen, die für den anderen aber viel bedeuten können. Aber bedeutet das ein guter Mensch zu sein? Es den anderen Recht zu machen?
Sicher ist es wichtig, dass ich mit meinem Tun und Handeln den Menschen in meinem Umfeld Gutes tue. Aber wie weit soll das gehen? So weit, dass ich selbst kein Geld für mein Mittagessen habe? Dass ich meinen eigenen Liebeskummer über dem meiner Freundin vergesse? Dass ich lächle, obwohl mir nach weinen zumute ist?
Ich möchte ein guter Mensch sein. Aber nicht um der anderen willen. Ich möchte nicht ein guter Mensch sein, damit die anderen sagen können, dass ich einer bin, sondern ich möchte ein guter Mensch sein, weil ich daran glaube, dass man das zurückbekommt was man gibt.
Aber ich muss dort aufhören ein guter Mensch für die anderen zu sein, wo ich mir selbst keiner mehr sein kann. Wenn ich mein Leben für die Leute verkompliziere, von denen ich ja doch nichts zu erwarten habe, ist das ganze wohl einen Schritt zu weit gegangen.
Doch schnell wird man in eine Ecke gedrängt. Man weiß ja, mit der kann man's machen, die ist immer da. Und wenn's kein anderer tut, dann eben ich. Aber manchmal muss auch ich abgeben, kann nicht den Müll der anderen auch noch auf meinen Rücken nehmen.
Schwer ist nur rauszufinden, wie viel ich tragen kann und ab wann nicht mehr. Meistens merkt man doch erst, dass es zu viel ist, wenn man bereits zusammen gebrochen ist.
Aber bin ich dann kein guter Mensch mehr? Kann ich mich noch als guten Menschen bezeichnen, wenn ich lieber mit meiner Freundin einen Kaffee trinke, anstatt mich um einen kranken Verwandten zu kümmern? Oder bin ich nur ein Pseudo-guter-Mensch, weil ich die "einfachen Dinge" tue, um mich selbst gut zu fühlen, vor den Schweren aber dann doch Halt mache und sie mit einem "ist nicht meine Sache" kommentiere? Kann ich wirklich noch ein guter Mensch sein, wenn ich kein Mitleid für das Leid anderer empfinden kann, sondern davon genervt bin, dass sie ihr Leid zu dem Zeitpunkt haben, an dem es mir eigentlich hervorragend geht?
Ich weiß nicht, ob ich je ein guter Mensch sein kann. Aber es bringt mich auch nicht weiter, wenn ich selbst daran zerbreche. Vielleicht ist diese einfache Aufgabe ja doch die Schwerste, die wir uns selbst auferlegen können.